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Leitfäden19. März 2026 · 5 Min. Lesezeit

Wie lange dauert Peer Review? Realistische Erwartungen und Wege zur Beschleunigung

Manuskript eingereicht, Funkstille. Wie viele Wochen bis zur ersten Entscheidung normal sind, wo die Zeit verloren geht und was den Prozess beschleunigt — mit Daten.

“Vor drei Monaten habe ich meinen Artikel eingereicht, noch immer nichts. Ist das normal?”

Diese Frage stellen Autoren — und, in anderer Form, auch Redaktionen: “Sind wir langsam, oder geht es allen so?” Die ehrliche Antwort auf beide verlangt einen Blick in die Daten.

Was die Daten sagen

Auch wenn die Unterschiede zwischen den Fächern groß sind, gibt es gut vermessene Beispiele. Eine Analyse von 2024/2025, die 57 Zeitschriften aus dem Bereich Gesundheitspolitik untersucht, berichtet folgende Medianwerte:

  • Bis zur begutachteten ersten Entscheidung: 60,5 Tage (Spannweite zwischen den Zeitschriften: 21 bis 263 Tage!)
  • Bis zur endgültigen Entscheidung: 198 Tage
  • Von der Annahme bis zur Online-Veröffentlichung: 25,5 Tage

Der Zustand “drei Monate, keine Nachricht” ist also leider statistisch gewöhnlich. Bemerkenswert ist die Breite der Spanne: Von zwei Zeitschriften desselben Fachs entscheidet die eine in drei Wochen, die andere in neun Monaten. Die Dauer ist demnach kein Naturgesetz, sondern weitgehend das Ergebnis der Prozessdisziplin einer Zeitschrift.

Steigt man in die Bestandteile der Dauer hinab, zeigt sich etwas Interessantes: Das eigentliche Schreiben des Gutachtens dauert nicht lange. Laut dem globalen Report von Publons wird ein Gutachten nach der Zusage im Schnitt in 19,1 Tagen abgeschlossen. Wo steckt dann der Rest der 60 Tage bis zur ersten Entscheidung? Die Antwort ist ärgerlich: im Warten. Während das Manuskript auf dem Tisch der Redaktion in der Schlange liegt, während Einladungen abgelehnt werden, während unbeantwortete Einladungen verfallen. Ein weiterer Befund desselben Reports bestätigt das: Die Zahl der Einladungen, die für ein abgeschlossenes Gutachten nötig sind, ist über die Jahre deutlich gestiegen — der wachsende Teil der Dauer ist also nicht das Begutachten, sondern die Gutachtersuche.

Wo die Zeit verloren geht: vier Wartebecken

Wenn Sie die Dauer Ihrer eigenen Zeitschrift verkürzen wollen, genügt es nicht, die Gesamtzeit als eine einzige Zahl zu verfolgen; Sie müssen vier Wartebecken getrennt sehen:

  1. Einreichung → Vorprüfung: Die Einreichung ist da — nach wie vielen Tagen hat zum ersten Mal ein Mensch daraufgeschaut? Die Rückgaberunden unvollständiger Einreichungen zählen hierher.
  2. Vorprüfung → Gutachterzuweisung: Die Zeit, in der die Redaktion passende Gutachter sucht. Der komplette Zyklus aus Einladung, Absage, neuer Einladung.
  3. Zuweisung → Eingang der Gutachten: Die Zeit beim Gutachter; die Phase, in der die Erinnerungen arbeiten.
  4. Gutachten → Entscheidung: Die Gutachten sind da, aber die Entscheidung steht aus. Das unsichtbarste, oft peinlichste Becken.

In manuell geführten Prozessen ist keine dieser vier Zahlen bekannt; man fühlt nur, dass die Summe “lang” ist. In systematischen Prozessen wird jeder Ein- und Austritt einer Phase festgehalten, und der Engpass wird nicht per Vermutung gefunden, sondern per Bericht. Die Redaktions-Dashboards in Nasirus legen Ihnen genau diese Aufschlüsselung auf einen Blick vor.

Was Sie beschleunigen können — und was nicht

Drei der vier Becken lassen sich mit Prozessdisziplin erheblich verkürzen:

  • Die Runden wegen unvollständiger Einreichungen reduzieren gut gestaltete Pflichtfelder; die Vollständigkeitsprüfung schrumpft auf Minuten.
  • Die Phase der Gutachtersuche verkürzt ein erfasster Pool: treffsichere Vorschläge, externe Begutachtung ohne Kontozwang und unbeantwortete Einladungen, die sich von selbst schließen und einem neuen Vorschlag Platz machen.
  • Die Zeit beim Gutachter ordnet die automatische Erinnerung; bei Verzug lösen Aufgabenstorno und Neuzuweisung das Problem, ohne es persönlich zu machen.

Das Einzige, was nicht beschleunigt werden darf, ist die Begutachtung selbst. Druck auf den Gutachter — “antworten Sie in drei Tagen” — endet in nachlässigen Gutachten, und der Preis der gewonnenen Wochen ist die Qualität. Das Ziel ist, die Denkzeit des Gutachters zu schützen und zugleich alle toten Wartezeiten um ihn herum auf null zu bringen.

Die Dauer deklarieren: ein kleiner, wirksamer Schritt für Zeitschriften

Zeitschriften, die ihre Wartebecken zu messen beginnen, eröffnet sich eine weitere Chance: das Gemessene zu deklarieren.

Der Satz “Unsere durchschnittliche Zeit bis zur ersten Entscheidung: 6 Wochen” auf der Zeitschriftenseite erledigt drei Dinge auf einmal. Er steuert die Erwartung der Autoren — Ungewissheit zermürbt mehr als Länge. Er hebt die Zeitschrift von Wettbewerbern ab — wer eine Dauer deklarieren kann, zeigt, dass er seinen Prozess im Griff hat; qualifizierte Autoren wählen auch danach aus, wohin sie ihre Artikel schicken. Und er erzeugt im Haus einen wohltuenden Druck — die deklarierte Zahl wird zur Latte, die es zu halten gilt.

Die einzige Bedingung: Die Deklaration muss aus echten Daten kommen. Ein optimistisch geschätztes “4 Wochen” wirkt auf den Autor, der gerade seine zwölfte Woche vollmacht, genau umgekehrt. Deshalb zählt die Reihenfolge: erst messen, dann verbessern, zuletzt deklarieren.

Eine Fußnote: Die Erwartung an die Dauer variiert stark zwischen den Fächern. Die Begutachtung eines experimentellen naturwissenschaftlichen Artikels und die einer historischen Monografie passen nicht in denselben Kalender. Stützen Sie Ihre eigene Deklaration auf die Realität Ihres eigenen Fachs — auf Ihre eigenen historischen Daten, nicht auf die Durchschnitte anderer Felder.

Eine ehrliche Notiz an die Autorenseite

Wenn Sie Autor sind und sich über den Prozess wundern: Deklariert die Zeitschrift auf ihrer Website eine durchschnittliche Entscheidungszeit, orientieren Sie sich daran; wenn nicht, gilt eine höfliche Statusanfrage vor Ablauf von drei Monaten als angemessen. Und bei Zeitschriften, die Sie dauerhaft im Ungewissen lassen, wissen Sie: Das Problem ist selten böser Wille, sondern meist das Fehlen einer Infrastruktur, mit der die Zeitschrift ihren eigenen Prozess sehen könnte. Zeitschriften, die die Frage “wie ist mein Status?” in Minuten beantworten können, lesen diese Antwort aus einem System — nicht aus einem E-Mail-Archiv.

Wenn Sie auf der Zeitschriftenseite stehen und die Zahlen Ihrer vier Wartebecken noch nie gesehen haben, machen Sie sich auf den Konfrontationseffekt des ersten Berichts gefasst. Schreiben Sie uns für eine Demo — und nennen Sie dabei die jährliche Einreichungszahl Ihrer Zeitschrift; wir richten das Beispiel-Dashboard danach ein.

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